200220 Tag der sozialen Gerechtigkeit

Zum Tag der sozialen Gerechtigkeit: Bundesverband Kinderhospiz macht auf Situation von Familien mit lebensverkĂŒrzend erkrankten Kindern aufmerksam

Zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit macht der Bundesverband Kinderhospiz darauf aufmerksam, wie weit die Gesellschaft Deutschlands von diesem Idealzustand entfernt ist. „Es gibt in etwa 50.000 lebensverkĂŒrzend erkrankte Kinder und Jugendliche in Deutschland. Sozial gerecht wĂ€re, wenn diese Kinder an allen Möglichkeiten des normalen sozialen Lebens teilhaben könnten, so lange sie das können und möchten,“ sagt Sabine Kraft. Als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundesverbands Kinderhospiz, des Dachverbands der deutschen Kinderhospizeinrichtungen, setzt sie sich genau dafĂŒr ein. „Die RealitĂ€t ist aber, dass wir davon noch weit entfernt sind“, weiß Kraft.

Die Teilnahme am öffentlichen Leben mit einem schwerstkranken Kind ist nicht einfach. Das beginnt beim behindertengerechten Zugang zu InnenstĂ€dten, fĂŒhrt weiter zur Tatsache, dass es öffentliche Toiletten mit ausreichend Platz- und Liegemöglichkeiten fĂŒr Pflege so gut wie gar nicht gibt und endet nicht zuletzt an den Barrieren, die viele Mitmenschen in ihren Köpfen haben: „Von uns betreute Familien melden zurĂŒck, dass sie zum Beispiel in Restaurants angesprochen werden, weil sich andere in Gegenwart ihres schwerstkranken Kindes unwohl fĂŒhlen,“ berichtet Kraft. Ist das sozial gerecht?

Auch im Falle von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkĂŒrzenden Erkrankungen arbeitet der Bundesverband Kinderhospiz fĂŒr mehr Chancengleichheit. „Von zuhause ausziehen, selbstbestimmt leben, einen Job finden – warum sollte das nicht gehen?“, sagt Kraft. „‘LebensverkĂŒrzend‘ bedeutet nicht, dass sich die Betroffenen in der finalen Sterbephase befinden.“ Zugegeben, es ist komplizierter, wenn man als junger Menschen permanent auf Hilfe und auf PflegekrĂ€fte angewiesen ist. Der Bundesverband Kinderhospiz und seine Mitglieder setzen sich vehement dafĂŒr ein, dass deshalb zum Beispiel mit alternativen Wohnformen fĂŒr Jugendliche passende neue Möglichkeiten geschaffen werden.

„Die betroffenen Familien mĂŒssen sowieso ein extremes GefĂŒhl der Ungerechtigkeit aushalten“, erklĂ€rt Sabine Kraft. „‘Warum muss gerade mein Kind unheilbar krank sein, warum mĂŒssen wir das aushalten?‘ – Wenn man sich das vor Augen fĂŒhrt ist klar, dass es die Pflicht unserer Gesellschaft ist gerecht zu sein und diese Kinder und ihre Familien nicht auszugrenzen, sondern einzubeziehen. In der Politik wie im Parkhaus, im Restaurant, aber vor allem: im Kopf!“

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