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„Kinderhospizarbeit bedeutet Spaß, Glück, das Leben genießen – jeden Tag“, sagte Sabine Kraft beim Startevent des KLL 2022. Genau das versucht der Bundesverband Kinderhospiz e.V. den betroffenen Familien zu ermöglichen. Daher möchten wir euch heute erzählen, wie wir durch eine Vermittlung an den Förderer „Aktion Kindertraum“ Familie Binder den Herzenswunsch ihrer Tochter Sophie erfüllen konnten.

Sophie ist 15 Jahre alt und an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankt. Sie wünschte sich so sehr, einmal die Nordlichter zu sehen und in einem Eishotel übernachten zu können. Also schickte „Aktion Kindertraum“ die Familie Anfang September 2021 in einen Traumurlaub nach Schweden. Auch die 18-jährige Tochter Lara kam mit.

Die Erlebniswoche startete für Familie Binder am Frankfurter Flughafen. Es ging in die schwedische Hauptstadt Stockholm, in der bereits der Mietwagen für die weitere Reise bereitstand. Weit im Norden des Landes wartete die erste Station auf die vierköpfige Familie: Ein gigantisches 5-Sterne-Hotel in Luleå. Das Hotel bestand aus mehreren Hütten im Wald, direkt am Fluss gelegen. Auch Bungalows konnten bewohnt werden, die sich direkt am Steg befanden und kaum näher am Wasser hätten sein können. Familie Binder bezog eine Waldhütte mit Kaminofen, die ebenfalls einen herrlichen Blick auf das Wasser bot. Dieser wurde durch eine komplette Glasfront ermöglicht. „Es war traumhaft, einfach Luxus pur“, gibt Frau Binder im Gespräch mit uns an, und erwähnt im Anschluss das Wellnessangebot mit Sauna und Pool: „Es fühlte sich an, als würde man sprudelnd im Fluss liegen.“ Neben langen Spaziergängen wurde auch der 80 km entfernten Ort Harads besucht.

Nach zwei schönen Tagen steuerte Familie Binder die nächste Station an: 350 km nördlich von Luleå wurde der Ort Jukkasjärvi besucht. Auf dem Weg dorthin trafen die Reisenden auf eine Rentierfamilie, die gemütlich die Straße überquerte. Ein Highlight, das einem in Deutschland wohl nie passieren wird. Auch Sophies Wunsch näherte sich der Umsetzung, denn endlich sollte die Nacht im „Icehotel“ erfolgen. Nach 17 Uhr, als die Touristen keinen Zutritt mehr zu den kunstvollen Suiten aus purem Eis hatten, durften die Übernachtungsgäste in ihre Gemächer einziehen. „Eine Suite war schöner als die andere“, kommentierte Frau Binder den Anblick. Die Suiten lagen unterhalb eines Hügels, um 365 Tage im Jahr ein kaltes Klima zu gewähren und das Eis am Schmelzen zu hindern. Im Foyer des „Icehotels“ wurden an einer Bar Cocktails in Bechern aus purem Eis serviert, die nur mit Handschuhen angefasst werden konnten. Dann begann das eigentliche Abenteuer in eisiger Kälte. Auf einmal machte man sich Gedanken über jeden Toilettengang, stellte sich das Umziehen für die Nacht bei -8°C doch bereits als Herausforderung heraus.

Die gesamte Suite war aus Eis. Lediglich die Matratze erinnerte an einen Matratzentopper, auf dem ein Rentierfell lag. Hierauf sollte sich die Hotelgäste in ihrem doppellagigen Schlafsack legen. Sogar die Smartphones bekamen einen eigenen Thermosack, um die nächtliche Kälte zu überstehen. „Wenn man es mit Abstand betrachtet, sieht man nur das Abenteuer. Wenn man dann mittendrin ist, ist es schon komisch. Beim Einschlafen habe ich sogar gemerkt, dass mir die Augenlider einfrieren. Die größte Herausforderung war aber der Morgen: Man überlegt sich sehr genau, wie man sich besonders schnell wieder anzieht.“

Die zweite Nacht verbrachte Familie Binder im „normalen“ Hotelbereich auf dem Gelände des „Icehotels“. Eigentlich gehörte zu Sophies Wunsch auch eine Huskytour, doch diese wurde aufgrund der Nebensaison nicht angeboten. Als Alternative besuchte Familie Binder einen Huskyzüchter und ergänzte ihren Ausflug mit einem Besuch im Museum Nutti Sami Siida – einem riesigen Freilichtmuseum mit großer Rentierfarm und echtem Sami-Dorf. Auch die Stadt Kiruna wurde erkundet, in der sich das weltgrößte Eisenerzbergwerk befindet. Damit die unter der Stadt liegenden Vorkommen abgebaut werden können, wird die Stadt aktuell aufgrund der Untertunnelung komplett um fünf Kilometer nach Osten verlegt.
Die nächste Unterkunft der Familie Binder war eine landschaftlich schön gelegene Lodge am See in einer Hotelanlage. „Aktion Kindertraum“ hatte sich für diese Station etwas ganz Besonderes ausgedacht: Am Ruhetag des Hotelrestaurants führten der Hotelchef und -koch die Binders zu einem hölzernen Unterschlupf im Wald. Am Lagerfeuer bereitete der Koch ein 4-Gänge-Menü zu – „Das Essen war der Hammer und der Abend absoluter Wahnsinn“, erzählt die Mutter zweier Töchter begeistert. Zu der romantischen Runde gesellte sich zudem ein Geschichtenerzähler, der auf Englisch die Geschichte vom Polarlicht erklärte und Fragen zu diesem Thema beantwortete. Etwas, das besonders Sophies Interesse weckte, gehörte das farbige Leuchten am Himmel schließlich zu ihrer Wunschreise.

Am vorletzten Tag stand der Besuch einer Elchfarm auf dem Programm. Diese sehr beachtlichen Tiere mussten aus der Ferne genossen werden, denn ihr Gemüt ist nicht mit dem der handzahmen Rentieren vergleichbar. Anschließend wurde die Rückfahrt gen Stockholm angetreten. Ein weiteres Mal fuhr Familie Binder mit ihrem Mietwagen über den Polarkreis. Zurück im schwedischen Harads, das als letzter Zwischenstopp diente, wartete das finale Abenteuer dieser Reise auf Sophie und ihre Familie: Eine Nacht im „Treehotel“, das verschiedene Wohnmöglichkeiten in den Baumkronen bot. Familie Binder bekam das „überdimensionale Vogelnest“ zugeteilt, das sich in 5-6 m Höhe befand. Alles in diesem nestförmigen Schwedenhaus war rund und bewegte sich bei Wind zusammen mit den Ästen ringsherum. Ein gelungener Abschluss einer traumhaften Woche mit zahlreichen Highlights, die Sophie und ihre Familie nicht so schnell vergessen werden.

Zwar konnte Sophies Wunsch, die Polarlichter zu sehen, nicht erfüllt werden, doch sie hat sie nicht vermisst, weil alles andere so wundervoll und aufregend war. Nachdem 2021 krankheitsbedingt ein schwieriges Jahr für Sophie darstellte, geht es ihr seit dieser Reise wesentlich besser – sie hatte keine gesundheitlichen Einbrüche mehr. Für Familie Binder hätte es kein schönerer Jahresabschluss sein können.

 

Fotos: Yvonne Binder