Bundesverband Kinderhospiz mahnt Jamaika-Partner beim Thema Pflege zur BerĂŒcksichtigung der BedĂŒrfnisse in der Kinder-Palliativversorgung

Bis zum morgigen Donnerstag, 16. November, sollen die SondierungsgesprĂ€che der möglichen kĂŒnftigen Jamaika-Koalition abgeschlossen sein. Mit großer Erleichterung verfolgt Sabine Kraft, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundesverbands Kinderhospiz (BVKH), derzeit  die grundsĂ€tzliche Einigkeit der Verhandlungs-partner beim Thema Pflege. Dennoch mahnt sie zu besonderer Aufmerksamkeit.

In einem ersten Sondierungspapier zur Pflege hatten die Vertreter der Verhandlungsparteien formuliert: „Uns eint die Überzeugung, dass sich die Menschen in unserem Land auf eine gute medizinische und pflegerische Versorgung verlassen können mĂŒssen, 
“. Dazu sagt Sabine Kraft: „Es ist gut zu wissen, dass die FachkrĂ€ftesicherung im Gesundheitswesen von der möglichen neuen Regierung als zentrales Thema angesehen wird. Doch möchte ich die Beteiligten mit aller Dringlichkeit darauf aufmerksam machen, dass speziell die Kinderkrankenpflege und die Kinderhospizarbeit ganz besonderer Aufmerksamkeit bedĂŒrfen!“.

Christine Bronner, Vorstandsmitglied beim BVKH , verweist auf den vergangene Woche veröffentlichten Pflegereport 2017 der Barmer Ersatzkasse, aus dem nicht nur klar hervorgeht, dass junge PflegebedĂŒrftige ganz andere BedĂŒrfnisse haben als erwachsene oder alte Patienten – vor allem gebe es fĂŒr sie nicht einmal annĂ€hernd genĂŒgend Angebote, die diese BedĂŒrfnisse berĂŒcksichtigen! „Nehmen wir das Beispiel Wohngruppen:  auch ein lebensverkĂŒrzend erkrankter Teenager hat ganz ‚normale‘ BedĂŒrfnisse wie zB, sich vom Elternhaus zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Gerade bei Jugendlichen, die intensive Pflege benötigen, sind solche Ablösungsprozesse wichtig, aber sehr komplex. Umso unertrĂ€glicher, wenn es dann schlicht keine Möglichkeiten fĂŒr sie gibt. Was diese jungen Menschen nicht haben, ist die Zeit, auf eine Gelegenheit in ferner Zukunft zu warten“, so Bronner.  Der Report zeige deutlich, dass die unlĂ€ngst beschlossene Reform zur Ausbildung des Pflegepersonals bei weitem nicht ausreiche,  um die aktuellen Probleme in der Kinderkrankenpflege zu beheben, so Bronner.

Sabine Kraft sieht die Situation in der Pflege von Kindern und Jugendlichen Ă€ußerst kritisch: „Man darf bei Pflege nicht alles ĂŒber einen Kamm scheren -  mit Schwerpunkt Alter und die Kinder irgendwie mitlaufen lassen!“ Der anstehenden Generalisierung in der Pflegeausbildung  sieht sie skeptisch entgegen. „Ich sehe nicht, wie die speziellen Inhalte einer bislang dreijĂ€hrigen Ausbildung bei gleichbleibender QualitĂ€t und Tiefe in nur einem Jahr vermittelt werden können.“ Sabine Kraft befĂŒrchtet, dass sich durch den generalisierten Einstieg eher noch weniger FachkrĂ€fte fĂŒr den Bereich der Kinderkrankenpflege entscheiden.  Sie fordert eine bessere Entlohnung des Personals und verbesserte Arbeitsbedingungen, damit kĂŒnftig deutlich mehr Auszubildende die Spezialisierung auf junge Patienten wĂ€hlen. „Noch immer finden beispielweise viel zu viele Eltern lebensverkĂŒrzend erkrankter Kinder, die rund um die Uhr intensive Pflege benötigen wĂŒrden, keinen Pflegedienst, der das leisten kann“, so Kraft: „Das ist ein unhaltbarer Zustand!“.

Dass die „Jamaika“-GesprĂ€chspartner die „EntbĂŒrokratisierung der Pflegedokumentation“ in das Sondierungspapier aufgenommen haben, freut die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des BVKH dagegen sehr: „Dann bleibt den Pflegenden endlich wieder mehr Zeit fĂŒr die Patienten!“. GrundsĂ€tzlich empfiehlt Kraft, dass sich Politiker mit den spezifischen Anforderungen nicht nur in der Kinderkrankenpflege, sondern auch der Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen auseinander setzen. Gerade im Bereich der Hospizarbeit mĂŒsse man sich der riesigen Unterschiede zwischen den BedĂŒrfnissen von Erwachsenen und denen von Kindern oder Jugendlichen und ihrer Familien bewusst sein, um sinnvolle Entscheidungen treffen zu können. Sabine Kraft mahnt die Vertreter der kĂŒnftigen Regierung, bei allen Differenzen zu anderen Themen nicht die Sorgfalt zu vernachlĂ€ssigen, die die Neuregelung vermeintlich einvernehmlicher Bereiche bedĂŒrfe.

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