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Das Sorgen- und Infotelefon OSKAR richtet sich ja an Familien mit schwerstkranken Kindern, die absehbar sterben. Kinder und Tod – das ist kein leichtes Thema. Warum setzen Sie sich als OSKAR-Botschafter ausgerechnet dafür ein?

Cem Özdemir: Für mich als Vater zweier Kinder ist es eine Herzensangelegenheit, dass Familien, die mit einem derartigen Schicksal konfrontiert sind, die größtmögliche Unterstützung erhalten. Niemand darf alleine gelassen werden, der von einer lebensverkürzenden Erkrankung betroffen ist oder sein Kind, die Schwester oder den Bruder, einen Freund oder eine Freundin verlieren wird. Deshalb setze ich mich als OSKAR-Botschafter dafür ein, dass jede*r ein offenes Ohr und eine kompetente wie einfühlsame Beratung erhalten kann.

Bekommen Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern in Deutschland aus Ihrer Sicht genügend Unterstützung?

Cem Özdemir: Ende 2015 hat die Bundesregierung endlich ein Hospiz- und Palliativgesetz beschlossen in dem auch auf Druck meiner Fraktion im Bundestag wichtige Verbesserungen für Kinder und Jugendliche erreicht werden konnten: Die finanzielle Förderung ambulanter Hospizdienste wurde verbessert um endlich die Trauerbegleitung der betroffenen Familien zu stärken. Wir hoffen, dass diese Neuregelungen ihre Wirkung schnell entfalten können. Zudem müssen nun künftig gesonderte Rahmenvereinbarungen für Kinderhospize getroffen werden, um den besonderen Bedürfnissen schwerstkranker Kinder und Jugendlicher besser gerecht zu werden. Eine gesonderte Rahmenvereinbarung für Kinderhospize würde bedeuten, dass schwerstkranke Kinder und Jugendliche nicht mehr mit Erwachsenen gleichgesetzt werden und eine gezieltere Versorgung ermöglicht würde, da Kinderhospizarbeit konzeptionell anders aufgebaut werden könnte als Erwachsenenhospizarbeit.

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Warum braucht Deutschland Ihrer Meinung nach das Sorgen- und Infotelefon OSKAR?

Cem Özdemir: Oskar ist immer für einen da: egal zu welcher Uhrzeit. Wenn man bei OSKAR anruft muss man nachts um 3 keine Angst haben, jemanden aus dem Bett zu klingeln, wenn man wach liegt und reden möchte. Betroffene Kinder und Angehörige wollen vielleicht ihr Umfeld nicht zusätzlich mit ihren Sorgen belasten. Oder sie haben Fragen zu lebensverkürzenden Krankheiten. Für all das ist das Sorgen- und Infotelefon OSKAR die erste Anlaufstelle: Seine Mitarbeiter*innen können trösten, zuhören, ermutigen oder einfach informieren.

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Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, um die Lebenssituation, den Alltag lebensverkürzend erkrankter Kinder und ihrer Angehörigen zu verbessern? Wenn ja: welchen genau?

Cem Özdemir: Der Wunsch der Kinder und ihren Familien nach möglichst viel gemeinsamer und selbstbestimmter Zeit muss im Vordergrund der Versorgung stehen. Die allgemeinen wie auch spezialisierten ambulanten Palliativversorgungen haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert, jedoch sind wir immer noch weit von einer flächendeckenden Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen entfernt. Deswegen wollen wir Grüne auch weiterhin den Ausbau der ambulanten Palliativversorgung engagiert und zügig voranzutreiben und die Kostenträger und Leistungserbringer darin bestärken und unterstützen.