1. Das Wichtigste in K√ľrze

Kinderhospize sind Einrichtungen f√ľr schwer kranke Kinder von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr (oder auch junge Erwachsene auf deren ausdr√ľcklichen Wunsch), die an einer unheilbaren Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung leiden. Eine kurative Therapie ist nicht mehr m√∂glich und die Diagnostik sollte weitgehend abgeschlossen sein. Die Aufnahme erfolgt als "Hospizpflege" und/oder als Kurzzeitpflege. In Deutschland gibt es derzeit 8 station√§re Kinderhospize.

 

2. Ziele und Aufgaben

Die Aufnahme eines Kindes im Kinderhospiz soll eine Entlastung f√ľr die Eltern darstellen, die ihr Kind bisher zu Hause versorgt haben, und dies oft auch nach dem Aufenthalt weiter tun. Das Hospiz soll ihnen Ruhepausen verschaffen, um Kraft tanken zu k√∂nnen.

Aufgaben eines Kinderhospizes

  • Palliativmedizinische Behandlung, insbesondere Schmerzlinderung und Symptomkontrolle.
  • Palliative Kinderkrankenpflege.
  • Begleitung und Beratung der Eltern und der Geschwister.
  • Angebot von Therapien, z.B. Krankengymnastik.
  • Soziale Betreuung.
  • Sterbe- und Trauerbegleitung.

 

3. Einrichtung, Mitarbeiter und Tagesablauf


Einrichtung des Kinderhospizes

In Kinderhospizen hat jedes kranke Kind in der Regel sein eigenes Kinderzimmer und es sind extra R√§ume zum Spielen vorhanden. Meist kann im Zimmer mindestens ein Angeh√∂riger mit √ľbernachten. Alle Kinderhospize haben zus√§tzlich einen Snoezelenraum oder eine Traumlandschaft eingerichtet, die den Kindern, Eltern und Geschwistern zum Entspannen und Wohlf√ľhlen dienen. Es gibt spezielle Abschiedsbereiche, einen gemeinsamen Wohn- und Essbereich und Elternzimmer.

Mitarbeiter
In einem Kinderhospiz arbeiten Fachkr√§fte wie Kinderkrankenschwestern und -pfleger, P√§dagogen, Psychologen, Sozialarbeiter, Seelsorger und teilweise auch √Ąrzte zusammen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, die eine fachspezifische Fortbildung absolviert haben. Eine enge Kooperation besteht mit Kinder√§rzten und Kliniken.

Ehrenamtliche Mitarbeiter haben die Aufgabe, zus√§tzliche Freizeitangebote zu schaffen, um die Lebensqualit√§t der kleinen Bewohner und auch der Geschwister zu verbessern. N√§heres auch unter Besch√§ftigung in der finalen Lebensphase. Die Kinder sollen alles Notwendige und Gew√ľnschte erhalten, um sich in ihrer Umgebung wohl zu f√ľhlen.

Tagesablauf
Kinderhospize gew√§hrleisten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Im Gegensatz zu Kinderkliniken ist der Tagesablauf in einem Hospiz nicht generell festgelegt. F√ľr jedes Kind wird der Tag nach den individuellen Vorstellungen und entsprechend der Pers√∂nlichkeit gestaltet. An feste Zeiten sind nur die Verabreichung der Medikamente und das Lagern der Patienten gebunden. Besuche der Angeh√∂rigen k√∂nnen zu jeder Tageszeit erfolgen. Wenn der Wunsch besteht, k√∂nnen sie auch im Kinderhospiz √ľbernachten.

 

4. Aufnahme

Vor Aufnahme des Kindes besprechen Hospizmitarbeiter mit den Eltern/Angehörigen die Rahmenbedingungen und Versorgungsnotwendigkeiten wie:

  • Aufnahmedatum und -dauer.
  • Pflegebedarf, Pflegeanamnese.
  • Wissen um die Vorlieben und Gewohnheiten des Kindes.
  • Aufnahme der Eltern und Geschwister.
  • Finanzierung.

5. Antrag und Kostenträger

Voraussetzung f√ľr die Aufnahme in einem Kinderhospiz ist eine √§rztliche Verordnung des (Kinder-)Arztes. Diese beinhaltet die Diagnose und eine Aussage zur Notwendigkeit der Pflege in einem Kinderhospiz. Aufgrund der Verordnung wird dann ein entsprechender Antrag zusammen mit den Mitarbeitern des Kinderhospizes bei der Kranken- und/oder Pflegekasse des Kindes gestellt. Antragsformulare sind beim Kinderhospiz oder bei der Kasse erh√§ltlich. In der Regel sollte vor Aufnahme eine Kosten√ľbernahmeerkl√§rung der Kasse vorliegen.

F√ľr die Angeh√∂rigen ist der Aufenthalt in der Regel kostenfrei.

 

5.1. Tagessatz

Da es keine eindeutige gesetzliche Rahmenbedingung gibt, werden die Kosten in den einzelnen Kinderhospizen unterschiedlich gehandhabt. Sie sind abh√§ngig von der Diagnose des Kindes und dem Tagessatz des Hospizes. Dieser Tagessatz liegt im Allgemeinen zwischen 250,- und 300,- ‚ā¨. Der jeweilige Tagessatz ist der Satz, der von den Krankenkassen anerkannt wird. Die realen Kosten liegen weit h√∂her.


5.2. Kosten√ľbernahme Krankenkasse

Die H√∂he des Zuschusses ist in der Satzung der Krankenkasse festgelegt, betr√§gt jedoch nicht weniger als kalendert√§glich 151,20 ‚ā¨ (= 6 % der monatlichen Bezugsgr√∂√üe). Voraussetzung f√ľr die Gew√§hrung des Zuschusses ist, dass eine eindeutig lebensbegrenzende Diagnose feststeht.

Manchmal ist es schwierig, eine Kosten√ľbernahmeerkl√§rung der Krankenkasse zu erhalten. Wird eine Hospizpflege nicht bewilligt, gibt es unter Umst√§nden keine Finanzierung durch die Krankenkasse und die Kosten m√ľssen aus Spenden oder von der Familie gezahlt werden. Eine notwendige Aufnahme wird aber in der Regel nicht an den finanziellen M√∂glichkeiten der Familie scheitern.


5.2.1. Kinderpflege-Krankengeld

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt zudem Kinderpflege-Krankengeld f√ľr den berufst√§tigen Elternteil, der seiner Berufst√§tigkeit aufgrund der Betreuung des Kindes nicht nachgehen kann. Voraussetzungen k√∂nnen unter anderem sein, wenn das Kind:

  • station√§r in einem Kinderhospiz versorgt wird oder
  • ambulante Leistungen eines Hospizdienstes erh√§lt (Ambulante Kinderhospize) oder
  • palliativmedizinisch im Krankenhaus behandelt wird.

Zuständig ist die Krankenkasse des Elternteils, der das Kind pflegt. Mehr Details unter Kinderpflege-Krankengeld.


5.3. Kosten√ľbernahme Pflegekasse

Die Pflegekasse √ľbernimmt f√ľr Kinder mit einer Pflegestufe Hospizkosten im Rahmen der Kurzzeitpflege.

Kranke Kinder und Jugendliche k√∂nnen mit dieser Finanzierungsm√∂glichkeit maximal 28 Tage im Jahr (auch mehrmalige kurze Aufenthalte sind m√∂glich) in einem Kinderhospiz aufgenommen werden. Daf√ľr muss sich das Kind nicht unmittelbar in der letzten Lebensphase befinden. Auch Eltern und Geschwister des kranken Kindes k√∂nnen im Kinderhospiz aufgenommen werden.

In der finalen Lebensphase können Kinder und Jugendliche im Normalfall sofort und zeitlich unbefristet in das Kinderhospiz kommen und im Sterbeprozess begleitet werden. Die Pflegekasse zahlt einen Anteil, der sich in der Regel nach der Pflegestufe des Kindes richtet.


5.4. Kosten√ľbernahme weiterer Kostentr√§ger

Wenn die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung nicht ausreichen, ist ein Eigenanteil selbst zu tragen. Sollte der Eigenanteil die finanziellen M√∂glichkeiten der Eltern √ľbersteigen, kann die Sozialhilfe diesen Betrag decken. Der Tr√§ger des Hospizes leistet ebenfalls einen Anteil.


6. Finanzierung der Kinderhospize

Die Einnahmen aus Kranken- und Pflegekasse decken nur einen sehr kleinen Teil der Kinderhospizkosten. Die Hospize finanzieren sich haupts√§chlich aus Spenden, auch die Aufnahme der Eltern und Geschwisterkinder wird zum gr√∂√üten Teil daraus finanziert. In einigen Kinderhospizen m√ľssen sich die Eltern an Unterkunft und Verpflegung mit einem Eigenanteil beteiligen, der von ihren finanziellen M√∂glichkeiten abh√§ngt.

 

7. Wer hilft weiter?

Adressen von Kinderhospizen sind zu finden:

  • bei der deutschen Hospiz Stiftung
  • beim Bundesverband Kinderhospiz
  • in der betanet-Rubrik Adressen mit dem Suchwort "Kinderhospiz".

 

8. Verwandte Links

Ambulante Kinderhospize
Geschwister kranker Kinder
Einrichtungen der Sterbebegleitung
Palliativ allgemein unter Palliativversorgung
Beschäftigung in der finalen Lebensphase
Kinder im Krankenhaus

 

Quelle:
http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Kinderhospize-775.html