150124 Sabine Kraft

Sabine Kraft im Interview mit Frank Weichhan.
Erschienen in der Mainpost am Mittwoch, 28. Januar 2015


40 000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland unheilbar krank – Kinderhospizarbeit als Hilfe

Auf dem Schwanberg fand vergangenes Wochenende die Tagung „Aus der Trauer wächst die Kraft“ statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Trauerbegleitung. Dazu Fragen an Mitorganisatorin Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz.

FRAGE: Der Bundesverband Kinderhospiz ist. . .

SABINE KRAFT: . . . der Dach- und Fachverband der Kinderhospize in Deutschland. Sitz ist Berlin, die Geschäftsstelle ist in Lenzkirch im Schwarzwald. Wir sind Ansprechstelle für Betroffene, Fachleute und Politik. Mehr als 70 Kinderhospizorganisationen sind Mitglied.

Wie sieht die konkrete Hilfe aus?

KRAFT: Kinderhospizarbeit unterstĂĽtzt ab der Diagnose. Kinder, die sterben, sind am liebsten zuhause im gewohnten Umfeld. In der Regel braucht die Familie Hilfe, um diesen schweren Weg miteinander zu gehen. Mit dem Sorgentelefon, das am 19. Juni an den Start geht, schaffen wir zudem eine 24-Stunden-Hotline.

Wie viele Kinder sterben jährlich an unheilbaren Krankheiten?

KRAFT: Etwa 5000 Kinder und Jugendliche allein in Deutschland. Etwa 40 000 lebensverkürzend erkrankte Kinder leben hier mit dieser Diagnose – unheilbar.

Wie gehen Sie mit Machtlosigkeit um?

KRAFT: Mittragen statt ertragen, da sein, zuhören, mittrauern, helfen. Jeder Moment zählt!

Geschäftsführerin wurde ich . . .

KRAFT: . . . 2005, weil ich als Sozialpädagogin Erfahrung in der Kinderund Jugendarbeit mitbringe. Heute weiß ich, dass es meine Aufgabe ist, sich genau hier zu engagieren. Ich habe bereits als Kind gelernt, mit dem Thema gestorbenes Geschwister umzugehen. Und schließlich habe ich selbst erfahren müssen, wie tiefgreifend schockierend es ist, wenn ein Kind stirbt.

Zuletzt sehr berĂĽhrt hat mich . . .

KRAFT: . . . vor zwei Wochen ein Charity-Konzert. An diesem Tag habe ich einige Kinder mit unheilbaren Erkrankungen Strahlen sehen und Eltern, die vor Rührung Tränen in den Augen hatten. Es ist herzergreifend, wenn man es schafft, solch einer Familie Freude zu schenken.

Bei der Info-Veranstaltung auf dem Schwanberg ging es um. . .

KRAFT: . . . eine Veranstaltung, die der Trauer Sprache und Raum gibt und die anspricht, was bleibt.

Warum ist der Tod ein Tabuthema?

KRAFT: Noch im Mittelalter wurden Kinder um das Haus herum beerdigt, weil es so normal war, dass die meisten Kinder nicht überleben. Heute kennen viele junge Menschen nicht einmal den Tod – es sei denn aus Computerspielen und vom Fernsehen. Viele vergessen dabei, dass das Leben einen Anfang und ein Ende hat.

Was fällt Ihnen zum Schwanberg ein?

KRAFT: Ein mystischer Ort. Hier sind wir Gott ganz nahe.

Wenn ich selber Trost brauche . . .

KRAFT: . . . gehe ich raus in die Einsamkeit und laufe, was das Zeug hält. Aber ich laufe nicht davon, sondern für mich ist in der Bewegung und in der Natur eine unglaubliche Heilkraft, dort sortieren sich meine Gedanken. Meine Begleiterin, meine alte Hündin Polly, ist immer dabei und hört einfach nur zu.

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